Singing in the setting sun

Erste Chorprobe von Salto Chorale Berlin nach dem Corona-logdown
Chorprobe von Salto Chorale Berlin auf den Brettern des Tempodroms

Die Bretter, die die Welt bedeuten, waren am letzten Donnerstag die, die das verwaiste Tempodrom umgeben. In fast jeder Nische hatten sich Menschen (natürlich mit zwei Meter Abstand) getroffen, um ihren sonst in geschlossenen Räumen stattfindenden sehr sinnvollen Vergnügungen nachzugehen. Unsere bestand darin, die erste Chorprobe seit Anfang März zu zelebrieren, so etwas wie Normalität nach der Sommerpause herzustellen. Und siehe da: es war wunderbar.

Bei traumhaftem Wetter, für Zwecke des Gesanges, ließen wir die Töne rutschen und schauten mal, was alles noch ging. Heaven is a wooonderful place war der Eröffnungskanon. Happy together mussten wir zweimal singen, eigentlich einer unserer Standards, aber beim ersten Mal klang es erstens schräg und zweitens sind wir einen ganzen Ton abgerutscht. Dann wurde es aber stetig besser, erstens mit unserem Trampelstück En fillant, wofür die Bretter um das Tempodrom wirklich erstklassig geeignet waren, da konnte man sogar mit Sandaletten einen Effekt erzeugen; zweitens mit unserem neu in der Einstudierung befindlichen Stück „Count on me“, das wir tatsächlich während der ersten Welle uns online erarbeitet haben und das beim ersten live Zusammensingen erstaunlich gut funktionierte; und zum Abschluss gönnten wir uns noch Viva la vida von Coldplay, das wir alle sehr gerne singen, obwohl das Arrangement gefühlt von jedem zweiten Chor in Berlin gesungen wird.

Back in the saddle again, wie der Amerikaner sagt. Hoffen wir, dass in den nächsten Wochen das Wetter hält. Beim Taiji, das ich schon seit Mai im Park mit paar Gleichgesinnten betreibe, gab es auch niemals Regen, was andererseits irgendwie gruselig ist. Vielleicht sollten wir doch hoffen, dass diese oder jene Probe mal ins Wasser fällt. Singing in the rain. Allerdings müssten wir dann wirklich Stücke singen, die wir auswendig können. Oder die Noten laminieren wie heutzutage die Speisekarten.

fgs

O-o, du-u Cho-orsängerIn neu

Partnerübung beim Einsingen via zoom

Ich starre auf den Bildschirm und denke, viel zu dick die Oberarme, und das Licht fällt auch schief auf mich, wie sehe ich denn diesmal aus im Zoom??? Ich setze mich ein wenig um, da heißt es: „Aufstehen! Wir singen uns ein.“

Ich rücke den Stuhl weg. „Partnerübung!“ Antje singt die Melodie und den Text vor und teilt uns in Pärchen ein. Die Aufgabe ist: Wir singen uns zu, eine macht die Bewegung vor, der andere macht sie nach. Ich setze schnell die Brille auf, starre auf den Bildschirm, da ist mein Partner!

Ich singe und schwenke wild die Arme über meinem Kopf, da! Er macht sie nach, die Bewegung! Ich höre mich singen, ganz allein in meinem Flur, tanze um mich selbst, starre auf den Bildschirm, sehe, wie Peter auch tanzt und den Mund bewegt, ich höre ihn nicht, aber ich sehe ihn nachmachen, was ich mache – „O-o, du-u Cho-orsängerIn!“ höre ich Antje singen und singe die Tonleiter rauf und runter mit.

Längst vergessen sind die Oberarme, das Licht, mein Abbild im Zoom, es macht nur noch Spaß zu singen und mich zu bewegen und alle zu sehen: im stummen, aber ganzkörper-bewegten, partnerschaftlichen Mund auf, Mund zu beim Singen im Zoom.

PS: Erkennst du die Paare?

kat.

Schuss im zoom

zoom-Probe mit Kriminal Tango
Auch in einer virtuellen Chorprobe kann es zum Schuss kommen.

Schuss in der virtuellen Chorprobe

Es ist zunächst ein beliebiger Donnerstag, 19 Uhr, und in wenigen Minuten beginnt das mittlerweile übliche Procedere. D.h. Rechner, Handy oder Laptop einschalten, das Mikrofon prüfen und die Kamera einrichten. Und nach und nach erscheinen, begleitet vom einem „Plimm“ aus dem Lautsprecher, die Protagonisten einzeln auf der Bühne. Die in diesem speziellen Fall jedoch aus einem Bildschirm besteht.

Ein Gesicht nach dem anderen füllt diesen Bildschirm. Man begrüßt freudig den einen oder anderen und hat Mühe ins Gespräch zu kommen, weil nun mal immer nur einer zu verstehen ist. Ein im Moment noch unlösbares technisches Problem.

Die virtuelle Probe nimmt den schon mehrfach erprobten Verlauf und alles ist irgendwie wie immer. Der eine findet dies nicht, der andere sieht das nicht, der nächste erklärt geduldig und am Ende geht es wieder oder besser irgendwie.

Erst am nächsten Tag bestätigt sich eine von mir ganz nebenbei bemerkte, aber mit keiner weiteren Beachtung und als bedeutungslos abgetane Kleinigkeit, dass da doch was war. Jetzt kann ich es deuten: es war dieses Lächeln, dieses Leuchten in den Augen der Chorleiterin.

Sie hat uns im Moment der allerhöchsten Konzentration bei der Darbietung des „leisen Servus“ bildlich festgehalten. Doch, damit nicht genug! Auch hat sie uns ein für alle Mal als “singende“ Zeugen einer kriminellen Handlung filmisch verewigt.

Die Folgen sind natürlich klar. Wie Ute richtig bemerkt hat, wird diese Tat in das große SALTO-Erinnerungsbuch eingehen.

rei

Zoom-out neu

Nach 10 Wochen keine Lust mehr auf Zoom-Probe
Die Corona-Zeit verlangt von uns allen inzwischen ganz schön viel Geduld …

Aufruf zur Stimmabgabe!

Zoom, zoom, zoom die ganze Welt in einem Room. Ich höre nur noch Zoom. Alle machen mit Zoom. Gut, wir ja auch, denn es verbindet immerhin was sonst vielleicht auseinanderfällt. Damit tröste ich mich, obwohl ich langsam zoommüde werde.

Die Proben sind trotz der Bemühungen aller Beteiligten eher nicht so effektiv. Es ist anstrengend zuzuhören, wenn alle versuchen etwas von sich zu geben – also ich meine gleichzeitig sprechen. Erforderlich wäre sowas wie „Funkdisziplin“. Wer früher mal mit CB-Funk (Citizen-Band) hantiert hat, weiß was ich meine. Es kann immer nur einer sprechen – Roger – piep. Kurz und gut, mich verließ so langsam die Freude am Probenbildschirm.

In den Tagen vor der letzten Probe erhielten die Chormitglieder von einer Mitsängerin eine E-Mail mit dem Link zu einem wundervollen Video eines Riesenchores – einen Schmachtfetzen singend. Unbeschreiblich! Wer sich jemals als Schnittmeister für Ton oder Film versucht hat, ahnt was für eine Arbeit dahintersteckt.

Und dann bringt sich doch bei der letzten Zoomprobe unser Axel mit einer Idee ein, so etwas Ähnliches mit uns zu probieren. Er möchte gerne, dass möglichst Viele von uns ihre Stimme eines ganz bestimmten Stückes einsingen. Diese will er dann schön zusammenschneiden für die Fête de la Musique.

Das hat mich total motiviert, endlich die von Antje gewünschten Hausaufgaben zu intensivieren. Zumal von unserem fleißigen Peter auch noch technische Hilfe in Form von passenden Sounddateien und Notenmaterial zur Verfügung gestellt worden waren.

Ich war plötzlich wieder Feuer und Flamme und konnte es gar nicht erwarten unser neues Zoom-Stück von Anfang bis Ende alleine durchzusingen. Die eigene raue Stimme nackt und bloß, ohne sich anlehnen zu können an Ton oder Rhythmus eines anderen Sängers.

Das zu hören, ist eine ganz neue Erfahrung.

Axel hat meine Stimme!

rai

Proben in den Zeiten des Killervirus

Salto Chorale macht eine Probe via Zoom
Auf Grund des Corona-Visus dürfen wir nicht mehr zusammen Proben. Doch mit zoom geht’s auch

Proben in den Zeiten des Killervirus. Wie schützen wir unsere Alten? Online proben. Da kann man sich höchstens einen Virus einfangen, der den Computer lahmlegt. Aber Vorsicht! Wie lange wird es dauern, bis auch dieser Virus die Maschine-Mensch-Barriere überspringt. Bleibt wachsam!

Ich war ja misstrauisch und hatte keine Lust auf online-Probe. Rein sachlich-fachlich hatte ich damit auch absolut Recht. Weder konnte ich das alles allzu ernst nehmen, noch war meine Stimme eine Freude für die Umwelt (über meinem Büro wohnt ein Chorsänger der Komischen Oper – mich gruselt die Vorstellung, er könne mich gehört haben). Also habe ich mich alle Meter lang davongeschlichen, um mir aus dem 10-Liter-Tetrapack Weißwein, der noch von Silvester stammt (!), einen kleinen Schluck zu genehmigen.

Das machte dann doch wieder Spaß. All die Kommentare zu hören, die mehr oder weniger konzentrierten Gesichter zu sehen. Und wenn Antje dann gesungen hat, konnte sie das Tempo nicht halten, oder vielleicht war es auch mein schwaches Netz. Erst wurde sie immer langsamer, dass ich dachte, sie schläft ein, nur um plötzlich, als das Netz wieder aufwachte, den Rest doppelt so schnell vorzusingen. Ich vermute mal, dass die wahre Antje das Tempo gehalten hat, ich kenne das von ihr nicht anders – und schließlich war ich angeschickert, nicht sie. Das muss man aus der Sicht eines kleinen Alkoholikers allerdings kritisieren, die demonstrative Art, wie mancher das Bier an den Hals hielt oder ein bauchiges Glas Rotwein dicht an das Weitwinkelobjektiv des Computers stellte, fördert nicht die eigene Abstinenz.

Der größte Effekt war für mich, dass ich glasklar erkannt habe, dass dieses Programm, diese App, zwar für Chorproben nur mäßig geeignet ist, für eine Lesebühne, die nicht mehr live stattfinden darf, aber das non plus ultra darstellt. So wird unsere Lesebühne SoNochNie! (www.sonochnie.wordpress.com) am Montag über zoom stattfinden – den Link gibt’s bei Facebook. Trotzdem … freu ich mich schon auf Donnerstag, wenn wir uns wiedersehn, das wird für mich ein Feiertag, ach Gott, wie ist das schön. Und wenn dann noch die Sonne scheint, und wenn der Rotwein rinnt, dann sind wir alle froh vereint, zur Not trink ich Absinth.

Bis zum nächsten Proben in den Zeiten des Killervirus!

fgs

Probe mit Einsatz

Probe mit 1-Hilfe-Einsatz begleitet von helfenden Händen

Ein kleiner Proben-Zwischenfall

Eine Probe mit Einsatz gab es an diesem Donnerstag. Dieser führte wunderbar vor, dass wir eine echt bunte Mischung von Menschen und Berufen sind. Unser Bass-Frank hatte sich, wie auch immer und vor allem unbemerkt, an Notenpapier geschnitten. Erst ein Bemerkung des neben ihm sitzenden Tenor-Axel machte auf das beständige Tropfen von Blut auf Hose und Hemd aufmerksam. Der Verbandkasten des Probenraumes wurde gesucht und auch recht schnell gefunden. Leider enthielt er keine Verbandpflaster. Spätestens hier sprang beherzt unsere Sopran-Claudia auf und als erfahrene Fachfrau schnapte sie sich ein kleines Verbandpäckchen und brachte die Sache professionell unter Verschluss. Ein kleiner Applaus im Abgang und dann durften wir wieder fröhlich „Sag zum Abschied leise Servus“ weiter proben.

Ups, habe ich da jetzt verraten, was wohl als nächstes in unser Repertoire aufgenommen wird? Na mals schauen. Unseren nächsten Auftritt haben wir zur Feté de la musique am 21. Juni. Wir freuen uns schon darauf.

jan.