Jede Zelle an jeder Stelle

Jede Zelle – Salto Chorale Berlin auf Chorfahrt 2021
La Mer vor dem Schlossteich

Unser Chorwochenende vom 24. bis 26. September 2021 im Schloss Trebnitz

Von allen Seiten war zu hören, wie schön und beglückend es war, nach so langer Zeit wieder gemeinsam mal etwas länger als nur eine Donnerstag-Abend-Probe zu singen, zu feiern und das schöne Wetter zu genießen, denn Petrus (oder ist es doch Sven Plöger gewesen) beglückte uns mit spätsommerlichen Temperaturen, Spaziergang- und Lagerfeuerwetter inklusive eines halben Mondes, der Samstagabend tatsächlich zum Gesang von Good News von den Wolken freigegeben wurde und wie die himmlische Kutsche aussah, die wir zu den knisternden Flammen besangen.

Ein solcher Erinnerungsbeitrag kann in Tagen wie diesen nicht ohne Hinweis auf das Hygienekonzept auskommen, das uns zuverlässig davor schützte, von allerlei finsteren Viren befallen und der Verderbnis anheimgegeben zu werden. Ich möchte aber daran erinnern, dass unser Chor auch früher sehr reinlich war. Es soll schon damals Sängerinnen und Sänger gegeben haben, die sich die Hände wuschen und ganz Verrückte haben wohl auch geduscht.

Nur die Maske ist halt neu und die Luca-App und der brummende Luftfilter, bei dem ich mich ernsthaft gefragt habe, was der mit den ausgefilterten Viren macht. Aber genug des Quermutmaßens. Wir waren ja zum Singen da.

Freitagabend ging es im Dachgeschoss los mit Happy together und Don’t stop me now und dem Metronom, über dessen Erfinder, fällt mir dabei ein, ich tatsächlich mal eine Geschichte geschrieben habe, wie der zuchtmeisterische Beethoven einst die Kapellmeister zwingen wollte, seine vorgegebenen Tempi einzuhalten. Heutzutage erledigt das eine App und eine Bluetooth-Box und unsere Chorleiterin, Antje Laabs, weil die App noch nicht in der Lage ist, selbständig zu erkennen, wann sie sich einschalten muss, um uns atemlos durch Freddy Mercurys erstaunliches Lied über einen Menschen zu führen, der sich wie eine Atombombe kurz vor der Explosion fühlt. Wenn ich dem Text lausche, den ich als Bass nicht singe, muss ich mich manchmal über uns amüsieren, aber wir haben ja Antje, die uns ständig mit Energie anreichert, damit wir dem Stück gerecht werden.

Danach sollte eigentlich Tischtennis gespielt werden, was aber ausfiel, weil die Platte für Chips, Schokolade und Getränke missbraucht wurde. Immerhin haben ein paar Bässe Tischkicker mit einer Kastanie gespielt.

Der Samstag brachte uns ein neues Lied ins Repertoire, La Mer, in einem flotten Arrangement von Tony Altemir und Huguette Dulom, das man von vier Zauberhaften gesungen in schon perfekter Energie und mit ansteckendem Lächeln vorgeführt bekommt. Wir haben uns in fünf Gruppen aufgeteilt, um an der Aussprache zu feilen. Wusste gar nicht, dass wir so viele Französischkenner im Chor haben. Ich vermute, jede Gruppe hat sich in ganz eigenen Dialekten versucht (Ben hat meiner Gruppe den Pariser beigebracht ;-)), die wir dann hinterher sehr harmonisch wieder zusammengefügt haben.

Abends gab es ein großes Lagerfeuer. Bei Lagerfeuern merkt „man“ immer, dass die Frauen die größeren Pyromanen sind. Zum zwanzigsten Geburtstag unseres Chores, der einst aus einem Workshop entstand, gab es ein Geburtstagsständchen. Habe gerade mal in die Liste geschaut, wer von Anbeginn dabei war außer unserer Chorleiterin … sind schon noch einige.  Antje führte uns etwas toleranter bezüglich der Intonation durch ein paar alte Stücke, an die wir uns mehr oder weniger erfolgreich zu erinnern versuchten. Nkosi sikie lele Afrika, Wooooochenend und Sooonnenschein, Jamaika und so. Als Antje dann im Bett war, haben wir noch ohne Antje Don’t stop me und Catch & Release, Count on me und den unvermeidlichen Steiger gesungen. Betrunken kommen wir immer gut ohne Antje zurecht. Hoffentlich hat Gott sei Dank das niemand mitgeschnitten.

Sonntagmorgen waren wir wieder alle fit. Und wer noch nicht fit war, wurde von Anne eingesungen. Samstag hatte uns Marianne warmgemacht, was eher fitnessorientiert war. Sonntag sang uns Anne ein. Da gab es am Ende ein Affirmationslied, das mich tagelang begleitet hat, und das als Résumé unserer ersten Pandemiefahrt gelten kann:

Jede Zelle meines Körpers ist glücklich

Jede Körperzelle fühlt sich wohl

Jede Zelle an jeder Stelle

Jede Zelle ist voll gut drauf.

… Jawoll.

fgs